Deutschland made by Mittelstand

News – made by Mittelstand.

Über den deutschen Mittelstand wird viel gesprochen und noch mehr geschrieben. Sehen Sie hier die wichtigsten Meldungen, Artikel und Kommentare zum Thema.

Bielmeiers Blog
16.11.2018

Theresa May bleibt standhaft und zieht es durch

Die Ankündigung der gestrigen Pressekonferenz hatte, vorhersehbarerweise, Spekulationen über einen möglichen Rücktritt Theresa Mays ausgelöst. Und wer könnte es ihr verdenken? Selbst in einer Amtszeit, die von Anfang an von Problemen geplagt war, dürfte der gestrige Tag unter die Top-5 der Tiefpunkte fallen. Nach den Rücktritten mehrerer Kabinettsmitglieder und einiger Staatssekretäre am Vormittag, musste sich May geschlagene drei Stunden den Fragen der Parlamentarier stellen. Das Urteil über den von ihr verhandelten Vertrag mit Brüssel fiel dabei durch die Bank weg vernichtend aus. Größter Stein des Anstoßes ist nach wie vor der Backstop, den viele Mitglieder des Parlaments als Hintertür in Richtung einer dauerhaften Zollunion Großbritanniens mit der EU betrachten. Gleichzeitig wächst nicht nur auf Seiten der nordirischen DUP der Unmut darüber, dass Nordirland, welches weiterhin als Teil des Binnenmarktes behandelt werden soll, einen Sonderstatus innerhalb des Vereinigten Königreiches erhalten könnte. Manch einer sieht hierin bereits das Ende der Union gefährdet....

Die Ankündigung der gestrigen Pressekonferenz hatte, vorhersehbarerweise, Spekulationen über einen möglichen Rücktritt Theresa Mays ausgelöst. Und wer könnte es ihr verdenken? Selbst in einer Amtszeit, die von Anfang an von Problemen geplagt war, dürfte der gestrige Tag unter die Top-5 der Tiefpunkte fallen. Nach den Rücktritten mehrerer Kabinettsmitglieder und einiger Staatssekretäre am Vormittag, musste sich May geschlagene drei Stunden den Fragen der Parlamentarier stellen. Das Urteil über den von ihr verhandelten Vertrag mit Brüssel fiel dabei durch die Bank weg vernichtend aus. Größter Stein des Anstoßes ist nach wie vor der Backstop, den viele Mitglieder des Parlaments als Hintertür in Richtung einer dauerhaften Zollunion Großbritanniens mit der EU betrachten. Gleichzeitig wächst nicht nur auf Seiten der nordirischen DUP der Unmut darüber, dass Nordirland, welches weiterhin als Teil des Binnenmarktes behandelt werden soll, einen Sonderstatus innerhalb des Vereinigten Königreiches erhalten könnte. Manch einer sieht hierin bereits das Ende der Union gefährdet. Auf der anderen Seite der Debatte fanden sich all diejenigen wieder, die die Rettung aus der aktuellen Krise in einem zweiten Referendum sehen. Immer wieder sah May sich gezwungen ihren Standpunkt diesbezüglich zu erklären: das Parlament hat dem Referendum mit überwältigender Mehrheit zugestimmt, das Volk hat gewählt, nun ist es an der Regierung zu liefern. Als wäre all dies nicht bereits genug für einen Tag, nutzte Jacob Rees-Jogg die langwierige Debatte, um im Hinterzimmer ein Treffen unter gleichgesinnten Hardlinern abzuhalten, an dessen Ende mehrere Konservative MPs ihre Misstrauen gegenüber May offiziell an den Chairman des 1922 Komitees übersandten. Ob die notwendigen 48 Briefe, die es bedarf um im Extremfall die Neuwahl einer Parteiführung herbeizuführen, zusammenkommen, ist derzeit jedoch fraglich.

Unter den gegebenen Umständen hätte man es der Premierministerin also sicherlich nicht verübeln können, hätte sie am Abend ihren Rücktritt angekündigt. Doch zum wiederholten Mal beweist May ihr Stehvermögen. Anstatt klein beizugeben, gab sie sich kämpferisch und erteilte Spekulationen (Hoffnungen?) auf einen freiwilligen Abgang eine klare Absage. Auch ihre Nachricht an das Parlament war mehr als deutlich: während es ihre Aufgabe sei, den bestmöglichen Deal mit der EU zu verhandeln, sei es Aufgabe des Parlamentes im der Abstimmung über den Vertrag im „Interesse des Volkes“ zu handeln. Eine klare Spitze in Richtung jener, die derzeit mehr mit Parteipolitik als mit dem eigentlichen Job beschäftigt sind. Die Taktik Mays ist clever. Denn so sehr sich einige Mitglieder des Parlaments gestern auch echauffierten, konnte doch keiner von ihnen einen konstruktiven Alternativvorschlag vorlegen, der das Dilemma der Irischen Grenze lösen würde. Gelingt es nicht, May in den kommenden Tagen aus dem Amt zu heben, wird das Parlament spätestens Mitte Dezember eine Wahl treffen müssen: ein Deal der, wenngleich sicherlich nicht ohne Makel, zumindest einen geordneten Austritt verspricht und den Briten zwei Jahre Zeit kauft um die künftige Ausgestaltung der Handelsbeziehungen mit der EU zu klären; oder ein chaotischer, ungeordneter Austritt mit umkalkulierbaren Konsequenzen. Sicherlich nicht ohne Hintergedanken erinnerte May die MPs am gestrigen Abend dann auch wiederholt daran, dass sie im Wohle ihrer Wähler handeln müssten. Sollten sie es auf einen No-Deal Breit ankommen lassen, so die unterschwellige Botschaft, würden sich die Volksvertreter sich auch vor ihren Wählern rechtfertigen müssen.

Wie geht es nun also weiter? Zunächst wird sich zeigen müssen, ob es Jacob Rees-Mogg gelingt seine Unterstützer zu mobilisieren und die notwendigen 48 Brief zusammenzubekommen. Gelingt dies, kommt es zunächst zu einer Abstimmung innerhalb der Konservativen Fraktion. Schafft es May eine einfache Mehrheit (158 Stimmen) zu erlangen, wäre sie zumindest für die kommenden 12 Monate sicher. Verliert sie die Abstimmung, müsste eine Neuwahl der Parteispitze angesetzt werden, in der zweimal pro Woche der jeweils unpopulärste Kandidat aus dem Rennen genommen wird, bis nur noch zwei Kandidaten übrig bleiben. Die finale Entscheidung liegt dann bei der Parteibasis. Wie lange dieser Prozess dauert, hängt von der Anzahl der Kandidaten ab. Gelingt es nicht, May durch einen parteiinternen Coup zu stürzen, wäre der einzig verbleibende Weg May zu entmachten ein Misstrauensvotum im Parlament – für das es dann allerdings einer 2/3-Mehrheit der Stimmen bedürfte. Sollte May ein solches Votum verlieren, hätten die Parteien 14 Tage Zeit um eine neue Regierung zu bilden. Scheitern sie, müssten Neuwahlen angesetzt werden. Ausschließen kann man angesichts der aktuellen chaotischen Verhältnisse in Westminster sicherlich keine dieser Optionen, klar ist jedoch auch, dass weiter Verzögerungen den Ratifizierungszeitplan in Frage stellen werden. Der britischen Regierung würde im Notfall eine andere Möglichkeit bleiben, als die EU um einen Aufschub zu bitten. Ob diesem Wunsch stattgegeben würde, steht auf einem anderen Blatt.

Bislang ist es Theresa May immer gelungen sich zu halten – aller Widrigkeiten zum Trotz. Schafft sie es auch dieses Mal, wird sie ihr Parlament im Dezember vor die Wahl stellen: mein Deal oder kein Deal. Ihr Kalkül dabei an die Verantwortung der Parlamentarier gegenüber ihren Wählern zu appellieren, könnte sogar aufgehen.

Mehr sehen Weiter zu Bielmeiers Blog
Bielmeiers Blog
16.11.2018

Börsen im Defensivrausch: Künstliche Intelligenz zum KGV von Dosensuppenherstellern

Aktienmarkteilnehmer setzen auf eine starke Defensive und kaufen vermeintlich langweilige Unternehmen statt stark wachsender Titel. Dies war im Oktober zu sehen, als die bis dato geliebten Technologiewerten großen Kursverluste verzeichneten, während die zuvor verschmähten defensiven Werte aufholten. Aktien aus den Branchen Pharma und Nahrungsmittel notieren aktuell auf Jahreshöchstständen, während konjunkturzyklische Werte deutlich darunter notieren. In der Theorie hängt das Wohlergehen zyklischer Werte von einem wirtschaftlich wachsenden Umfeld ab, in einer volkswirtschaftlichen Rezession fallen die Titel entsprechend überdurchschnittlich. Die defensiven Titel hingegen wachsen auch, wenn die Wirtschaft schwächelt. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass Unternehmen wie Nestlé, AB Inbev, Coca Cola und Co. schon seit einigen Jahren deutlich schwächer wachsen (wenn überhaupt) als die globale Inflation. Die defensiven Unternehmen suchten ihr Heil zunehmend in finanztechnischen Maßnahmen. Dazu gehörten Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen, dank niedriger Zinsen auch auf Kredit. Durch die Rückkaufsprogramme stiegen die Gewinne je Aktie trotz stagnierenden Geschäfts. Spätestens seitdem...

Aktienmarkteilnehmer setzen auf eine starke Defensive und kaufen vermeintlich langweilige Unternehmen statt stark wachsender Titel. Dies war im Oktober zu sehen, als die bis dato geliebten Technologiewerten großen Kursverluste verzeichneten, während die zuvor verschmähten defensiven Werte aufholten. Aktien aus den Branchen Pharma und Nahrungsmittel notieren aktuell auf Jahreshöchstständen, während konjunkturzyklische Werte deutlich darunter notieren.

In der Theorie hängt das Wohlergehen zyklischer Werte von einem wirtschaftlich wachsenden Umfeld ab, in einer volkswirtschaftlichen Rezession fallen die Titel entsprechend überdurchschnittlich. Die defensiven Titel hingegen wachsen auch, wenn die Wirtschaft schwächelt. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass Unternehmen wie Nestlé, AB Inbev, Coca Cola und Co. schon seit einigen Jahren deutlich schwächer wachsen (wenn überhaupt) als die globale Inflation. Die defensiven Unternehmen suchten ihr Heil zunehmend in finanztechnischen Maßnahmen. Dazu gehörten Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen, dank niedriger Zinsen auch auf Kredit. Durch die Rückkaufsprogramme stiegen die Gewinne je Aktie trotz stagnierenden Geschäfts. Spätestens seitdem 2018 aber das eine oder andere aufstrebende Schwellenland Schwächen zeigte, sind Anfälligkeiten im Kerngeschäft kaum noch zu verstecken. Dies war bei der Gewinnwarnung des Bierherstellers AB Inbev Ende Oktober zu beobachten, die zu einer Halbierung der Dividendenzahlungen führte.

Umso mehr überrascht es, dass das Pendel zugunsten defensiver Titel nun so stark umgeschlagen hat. Die Kursstärke der defensiven Werte bei gleichzeitiger Schwäche der zyklischen Titel hat dazu geführt, dass heute überraschende Bewertungskonstellationen auftreten: Zum Beispiel wird heute die Aktie von „Campbell Soup“ am Aktienmarkt mit einem KGV von 16,1 für 2019 bewertet. Damit gehört die Aktie eigentlich zu den günstigsten Titeln im defensiven Segment, viele Aktien im Nahrungsmittelbereich weisen auch KGVs jenseits der 20 auf. Campbell Soup ist Weltmarktführer im Bereich der Fertigsuppen (u.a. „Erasco“) – ein Segment, welches in der Vergangenheit weder durch Innovationen noch Wachstum hervorstach. Das KGV von Campbell Soups liegt damit auf einer Höhe mit dem um die Barliquidität bereinigten KGV des Unternehmens Alphabet (16,3). Alphabet ist mit Google Weltmarktführer für digitale Werbung, Weltmarktführer für Smartphonebetriebssysteme und eines der führenden Unternehmen in Bereichen der künstlichen Intelligenz und des Cloudcomputings. Das langfristige Wachstum der Unternehmensumsätze über die nächsten fünf Jahre hinweg wird laut Bloomberg für Alphabet auf 18% pro Jahr geschätzt, für Campbell Soup auf 3,5%. Nach der Faustformel „Wachstum zu einem vernünftigen Preis“ kann man das aktuelle KGV in Relation zum erwarteten langfristigen Wachstum setzen. Danach wären Alphabet günstig bewertet, Campbell Soup hingegen sehr teuer.

Augenscheinlich bekommen immer mehr Anleger Angst davor, dass die Weltwirtschaft an Schwung verliert und stoßen daher die Werte, die vom starken volkswirtschaftlichen Wachstum profitieren, ab. Schlittern aber zukünftig weitere Emerging Marktes und deren Währungen in die Krise, dürften die defensiven Unternehmen, die diesen Ländern ebenfalls stark expandiert sind, unseres Erachtens nicht viel mehr Sicherheit bieten als der breite Markt. Außerdem verpassen Anleger Chancen im Technologiebereich, in dem aktuell derzeit so viele disruptive Energie freigesetzt wie zuletzt in der industriellen Revolution. Zudem sind deren Titel (siehe Alphabet/Google) nicht zu hoch bewertet, genauso wie sich auch die breite Aktienmarktbewertung des S&P 500 jüngst wieder bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,2 eingependelt hat. Es liegt damit im fairen historischen Bereich.

Dieser Trend in Richtung defensiver Titel sollte in Anbetracht der vorherrschenden Unsicherheit noch einige Zeit anhalten. Es ist spricht aber einiges dafür, dass die wachstumsstärkeren Werte bald wieder an Beliebtheit gewinnen werden. Dies dürfte spätestens der Fall sein, wenn die momentane Schwäche bei den volkswirtschaftlichen Frühindikatoren durchlaufen wurde.

Mehr sehen Weiter zu Bielmeiers Blog
Bielmeiers Blog
15.11.2018

Rom will es wissen

Nachdem Rom am Dienstag einen „überarbeiteten Budgetentwurf“ in Brüssel eingereicht hat, liegt der Ball nun wieder bei der EU-Kommission. Diese wird die lediglich kosmetisch veränderten Fiskalpläne Italiens weiterhin nicht akzeptieren können, da das veranschlagte Defizit und die Wachstumsprognosen zu optimistisch bleiben. Doch die Überzeugungskraft der Mittel, mit Hilfe derer Brüssel Druck auf die pan-populistische Exekutive im Stiefelstaat ausüben könnte, sind recht begrenzt. Zunächst kann der Europäische Rat auf Vorschlag der EU-Kommission mit qualifizierter Mehrheit ein Verfahren wegen übermäßigen Defizits etwa Anfang nächsten Jahres einleiten. Das wäre der erste Akt eines EU-Eskalationsdramas, den schon viele Euroländer erfahren haben. In Folge dessen würden Italien wirtschaftspolitische Maßnahmen oder Reformen auferlegt, die innerhalb von drei bis sechs Monaten zu erfüllen wären. Bei Nicht-Einhaltung der Forderungen könnten am Ende Sanktionen in Form von Geldbußen (0,2% des BIP, rund 4 Mrd. Euro) stehen. Die Ende Mai 2019 anstehenden Europa-Wahlen dürften die Handlungsfähigkeit der EU-Kommission jedoch behindern...

Nachdem Rom am Dienstag einen „überarbeiteten Budgetentwurf“ in Brüssel eingereicht hat, liegt der Ball nun wieder bei der EU-Kommission. Diese wird die lediglich kosmetisch veränderten Fiskalpläne Italiens weiterhin nicht akzeptieren können, da das veranschlagte Defizit und die Wachstumsprognosen zu optimistisch bleiben. Doch die Überzeugungskraft der Mittel, mit Hilfe derer Brüssel Druck auf die pan-populistische Exekutive im Stiefelstaat ausüben könnte, sind recht begrenzt. Zunächst kann der Europäische Rat auf Vorschlag der EU-Kommission mit qualifizierter Mehrheit ein Verfahren wegen übermäßigen Defizits etwa Anfang nächsten Jahres einleiten. Das wäre der erste Akt eines EU-Eskalationsdramas, den schon viele Euroländer erfahren haben. In Folge dessen würden Italien wirtschaftspolitische Maßnahmen oder Reformen auferlegt, die innerhalb von drei bis sechs Monaten zu erfüllen wären. Bei Nicht-Einhaltung der Forderungen könnten am Ende Sanktionen in Form von Geldbußen (0,2% des BIP, rund 4 Mrd. Euro) stehen. Die Ende Mai 2019 anstehenden Europa-Wahlen dürften die Handlungsfähigkeit der EU-Kommission jedoch behindern und somit der italienischen Regierung in die Hände spielen.

Ein Defizitverfahren dürfte auch nicht den erhofften einschüchternden Effekt herbeiführen. Im Gegenteil könnte die italienische Regierung weiter auf Konfrontationskurs gehen und beispielsweise Migrationsabkommen oder Beiträge zum EU-Haushaltsbudget boykottieren. Letzten Endes ist aber keiner Partei mit einer Eskalation des Streits gedient, die sowohl Italien als auch die Währungsunion politisch wie wirtschaftlich in Bedrängnis bringen könnte. Ein notwendiger Kompromiss im Haushaltsstreit könnte daher ungefähr wie folgt aussehen: 2019 werden automatische Ausgabenbremsen oder zusätzliche Steuern aktiviert, falls Italien seine optimistischen Wachstumsziele nicht erreicht. Die gemäß Budgetplan ausgesetzte Mehrwertsteuererhöhung hätte zum Beispiel rund zwölf Milliarden Euro in die Staatskassen gespült.

Ansonsten darf Brüssel auf die disziplinierenden Kräfte des Kapitalmarktes hoffen. Seit Anfang Oktober bewegen sich die italienischen Risikoaufschläge zwar auf recht hohem Niveau, jedoch innerhalb eines relativ engen Korridors. Die politischen Risiken rund um Italien sind bekannt und werden von Investoren deswegen bereits berücksichtigt. Da anhaltend erhöhte Risikoaufschläge nicht nur die Staatsfinanzen, sondern auch einzelne angeschlagene Banken in Bedrängnis bringen können, dürfte die italienische Regierung auch weiterhin verbal einlenken, falls es am Markt zu deutlicheren Unruhen kommen sollte.

Mehr sehen Weiter zu Bielmeiers Blog
Bielmeiers Blog
15.11.2018

Brexit: Ein Schritt nach vorne, zwei Schritte nach hinten

Fünf Stunden hat es gedauert, bis Premierministerin May den Vollzug vermelden konnte. Nach einer „emotionalen“ Debatte konnte sie ihr Kabinett gestern Abend auf eine gemeinsame Linie vereinen und sich der Zustimmung ihrer Minister für die Backstop-Lösung sichern. Erneut, so schien es zumindest gestern Abend, hatte May ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, auch im größten Sturm Ruhe zu bewahren und sich von dem Getöse um sie herum nicht verunsichern zu lassen. Am heutigen Morgen droht jedoch bereits neues Ungemach: Mays Brexit-Minister Dominic Raab und Arbeitsministerin Esther McVey haben ihren Rücktritt angekündigt, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass im Tagesverlauf weitere Minister ihrem Beispiel folgen werden. Alles hängt nun davon ab, ob es May gelingt, ihre Regierung vor dem Kollaps zu bewahren und selbst im Amt bleiben zu können. Zunächst wird May ihr Kabinett neu sortieren und die vakanten Plätze neu besetzen müssen. Im Idealfall wird sie sich dadurch neue Rückendeckung sichern...

Fünf Stunden hat es gedauert, bis Premierministerin May den Vollzug vermelden konnte. Nach einer „emotionalen“ Debatte konnte sie ihr Kabinett gestern Abend auf eine gemeinsame Linie vereinen und sich der Zustimmung ihrer Minister für die Backstop-Lösung sichern. Erneut, so schien es zumindest gestern Abend, hatte May ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, auch im größten Sturm Ruhe zu bewahren und sich von dem Getöse um sie herum nicht verunsichern zu lassen. Am heutigen Morgen droht jedoch bereits neues Ungemach: Mays Brexit-Minister Dominic Raab und Arbeitsministerin Esther McVey haben ihren Rücktritt angekündigt, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass im Tagesverlauf weitere Minister ihrem Beispiel folgen werden. Alles hängt nun davon ab, ob es May gelingt, ihre Regierung vor dem Kollaps zu bewahren und selbst im Amt bleiben zu können.

Zunächst wird May ihr Kabinett neu sortieren und die vakanten Plätze neu besetzen müssen. Im Idealfall wird sie sich dadurch neue Rückendeckung sichern können. Gleichzeitig muss sie sich dem Parlament stellen und ihre Kritiker davon überzeugen, dass die Vereinbarung, die sie mit der EU getroffen hat, die bestmögliche Lösung darstellt. Spekulationen über einen Sturz Mays laufen derzeit heiß. Dies könnte über zwei Wege geschehen: a) einen parteiinternen Coup oder b) ein Misstrauensvotum im Parlament. Ersteres würde dann geschehen, wenn mindestens 48 Konservative aus dem Unterhaus einen dementsprechenden Brief an das sogenannte 1922 Kommittee schreiben. Die Partei wäre dann gezwungen, die Wahl eines neuen Parteichefs auszurufen. Ein Misstrauensvotum im Parlament kann entweder von der Premierministerin selbst oder aber auch von ihrer Partei oder der Opposition eingebracht werden. Verliert der amtierende Premierminister diese Abstimmung, gibt es zunächst eine zweiwöchige Frist, in der die Parteien versuchen müssen, eine neue Regierung zu bilden. Gelingt dies nicht, werden Neuwahlen ausgerufen. Wir bezweifeln jedoch weiterhin, dass irgendeine der Parteien derzeit ein echtes Interesse an Neuwahlen hat. Ganz abgesehen davon, dass der straffe Brexit-Zeitplan eine Neuwahl oder auch die Wahl einer neuen Konservativen Parteiführung eigentlich ausschließen sollte.

In den nächsten Tagen wird es vor allem darum gehen, die Zustimmung für den Austrittsvertrag zu sichern. Hier steht May ein schwerer Weg bevor. Am 25. November wird der nächste EU-Gipfel abgehalten, auf dem, so hofft die EU, der Austrittsvertrag finalisiert werden soll. Gelingt dies, könnte die kritische Abstimmung im britischen Parlament bereits in der zweiten Dezemberwoche stattfinden. Derzeit sieht es nicht gut aus: May wird hart darum kämpfen müssen, sich die Zustimmung des Parlaments zu sichern. Tatsache ist jedoch auch: angesichts der Wahl zwischen einer Einigung (und damit einhergehend einer zweijährigen Übergangsphase) und einem Crash-Exit dürften sich die meisten Parlamentarier letztendlich den harten Realitäten beugen.

 

Mehr sehen Weiter zu Bielmeiers Blog

Rechtliche Hinweise für Leser (Disclaimer)

Die Informationen auf diesen Internet-Seiten sind Informationen der DZ BANK AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, Frankfurt am Main („DZ BANK“). Sie richten sich nur an Personen, die ihren dauerhaften Wohnsitz/Geschäftssitz in der Bundesrepublik Deutschland haben. Sie richten sich ausdrücklich nicht an US-Personen und Personen mit Wohnsitz in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, im Vereinigten Königreich oder in anderen Ländern als der Bundesrepublik Deutschland.

Die DZ BANK übernimmt insbesondere keine Verantwortung für die Verbreitung des Inhalts von Internet-Seiten gegenüber natürlichen oder juristischen Personen, die hinsichtlich ihres Wohnsitzes/Geschäftssitzes falsche Angaben machen.

Alle auf diesen Internet-Seiten enthaltenen Bewertungen, Stellungnahmen oder Erklärungen sind diejenigen des Verfassers der Dokumente und stimmen nicht notwendigerweise mit denen dritter Personen überein. Die DZ BANK gibt keine Gewährleistungen oder Zusicherungen hinsichtlich der Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen oder Meinungen auf diesen Internet-Seiten ab. Die DZ BANK übernimmt keine Haftung für Verluste, die durch die Verwendung dieser Informationen verursacht werden oder damit in Zusammenhang stehen. Die auf diesen Internet-Seiten zur Verfügung gestellten Informationen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung zum Erwerb von Finanzinstrumenten dar. Es handelt sich auch nicht um Finanzanalysen. Die auf diesen Internet-Seiten der DZ BANK bereitgestellten Informationen können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Investitionsentscheidung bezüglich irgendwelcher Finanzinstrumente sollte auf keinen Fall auf der Grundlage dieser Informationen erfolgen. Bitte beachten Sie die Angaben zum Stand der Informationen. Die Informationen können durch aktuelle Entwicklungen überholt sein, ohne dass die bereitgehaltenen Informationen geändert wurden. Das Nutzungsverhältnis dieser Internet-Seiten der DZ BANK unterliegt deutschem Recht. Gerichtsstand ist Frankfurt am Main.

Weitere News laden
19.12.2016

Mittelstand im Mittelpunkt: Mittelstand in bester Stimmung

Ergebnisse der Mittelstandsanalysen und der Mittelstandsumfrage des
Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) und der DZ BANK.

Mehr erfahren

Deutschland – made by Mittelstand

Die Initiative der DZ BANK und der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken für den Mittelstand – ein Netzwerk aus Spezialisten mit über 150 Jahren Erfahrung.

  • Volksbanken Raiffeisenbanken

    Knapp 1.100 Volksbanken Raiffeisenbanken gibt es in Deutschland – in allen Regionen. Jede von ihnen fühlt sich dem Mittelstand traditionell verpflichtet und verbunden. Gegründet von und für Unternehmer und Unternehmen begleiten sie – manche seit mehr als 150 Jahren – Menschen und Firmen, die etwas bewegen wollen.

    Mit ihren Partnern in der Genossenschaftlichen Finanzgruppe sind sie Allfinanz­anbieter, die überall in Deutschland – zu unternehmerischen Herausforderungen in der ganzen Welt – für ein finanzwirtschaftliches Angebot sorgen.

    Dabei stellen sie mit ihrer Genossenschaftlichen Beratung die Ziele und Wünsche, Pläne und Vorhaben von Unternehmern und Verantwortlichen in den Mittelpunkt.

    So entwickeln Volksbanken Raiffeisenbanken aus qualifizierten Angeboten – und zwar schnell, effizient und über kurze Entscheidungswege – Lösungen, die mit Sicherheit passen!

  • DZ BANK AG

    Die DZ BANK ist Zentralbank für mehr als 900 Volksbanken und Raiffeisenbanken. Zusätzlich betreut sie als Geschäftsbank Unternehmen und Institutionen und ist Steuerungsholding für die Spezialinstitute der DZ BANK Gruppe.

    Im Firmenkundengeschäft bietet sie gemeinsam mit den Partnern der Genossenschaftlichen FinanzGruppe das gesamte Leistungsspektrum für Firmenkunden an - direkt und gemeinsam mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken.

  • R+V Versicherung

    Die R+V Versicherung zählt zu den führenden Versicherern in Deutschland. Im Firmenkundengeschäft ist R+V traditionell eng mit mittelständischen Unternehmen aus Handel, Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft verbunden. Für sie entwickeln die R+V-Firmenkundenspezialisten branchenspezifische Absicherungskonzepte. Die Spanne reicht von spartenübergreifenden Konzepten im Bereich Kompositversicherungen bis hin zur betrieblichen Altersversorgung in Branchenversorgungswerken.

  • DZ PRIVATBANK

    Die DZ PRIVATBANK ist der Lösungsanbieter im Private Banking, Fondsdienstleistungs- und Währungsfinanzierungsgeschäft „LuxCredit“ für Kunden der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken. Mit ihren Standorten in Deutschland, Luxemburg, Singapur und der Schweiz sowie dem subsidiären Netzwerk der mehr als 1.000 Genossenschaftsbanken schafft sie eine überzeugende Verbindung von lokaler Nähe, nationaler Erreichbarkeit und internationaler Kompetenz.

  • DZ HYP

    Die DZ HYP ist eine führende Immobilienbank in Deutschland und Kompetenzcenter für Öffentliche Kunden in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe. Sie bedient gewerbliche Kunden, Wohnungsunternehmen, Öffentliche Kunden sowie Privatkunden/Private Investoren mit passgenauen Finanzierungslösungen aus einer Hand.

  • VR Smart Finanz

    Die VR Smart Finanz ist innerhalb der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken subsidiärer Partner für einfachste Mittelstandslösungen. Das Leistungsspektrum umfasst passgenaue Lösungen für Leasing, Mietkauf und Kredit sowie digitale Services rund um den Finanzierungsalltag.

  • VR Equitypartner

    VR Equitypartner zählt zu den führenden Eigenkapitalfinanzierern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mittelständische Familienunternehmen begleitet die Gesellschaft zielorientiert bei der strategischen Lösung komplexer Finanzierungsfragen. VR Equitypartner bietet Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen sowie Mezzaninefinanzierungen an. Beteiligungsanlässe sind Wachstums- und Expansionsfinanzierungen, Unternehmernachfolgen oder Gesellschafterwechsel.

  • DG HYP

    Die DG HYP ist die gewerbliche Immobilienbank der Genossenschaftlichen FinanzGruppe und eine der führenden Pfandbriefbanken in Deutschland. Das Kerngeschäftsfeld ist die gewerbliche Immobilienfinanzierung, die die DG HYP mit Investoren sowie als Partner der mehr als 1.100 Volksbanken und Raiffeisenbanken betreibt. Der Fokus der Geschäftsaktivitäten liegt auf Objektfinanzierungen im deutschen Markt in den Immobiliensegmenten Büro, Wohnungsbau und Handel.